Impfung gegen Borreliose

Der Fall eines kleinen Mädchens in Oberösterreich, das von mehr als hundert Zecken gestochen wurde, hat einen wahren Run auf die Zeckenschutzimpfung ausgelöst. Jetzt werden in Österreich und Deutschland Zecken-Impfstoffe nicht nur gegen FSME, sondern auch gegen Borreliose entwickelt.

Falsche Einschätzung

Ein Drittel der österreichischen Bevölkerung glaubt jedoch, dass die Impfung sie nicht nur vor der gefährlichen Frühsommer-Gehirnhautentzündung(FSME) schützt, sondern auch vor einer viel häufigeren Zeckenkrankheit, der Borreliose. Dies ist nicht der Fall.

Österreichweit ist jede fünfte Zecke mit Borrelien verseucht. Pro Jahr infizieren sich in Österreich geschätzte zwölftausend Menschen mit den spiralförmigen Bakterien. Die Lyme-Borreliose ist somit die häufigste durch Zecken übertragene Krankheit.

Deutscher Impfstoff in USA getestet

Es gibt bereits einen Borreliose-Impfstoff, der allerdings nur in den USA auf dem Markt ist. Deutsche Forscher des Freiburger Max Planck Instituts und der Universität Heidelberg haben das Serum entwickelt. Das Wirkprinzip ist besonders raffiniert:

Die Impfung regt im menschlichen Blut die Bildung von Abwehrzellen an, sogenannten Antikörpern. Sie richten sich gegen ein bestimmtes Eiweiß auf der Oberfläche der Borrelien, genannt Osp-A.

Beißt die Zecke einen geimpften Menschen, so saugt sie mit seinem Blut auch die Antikörper auf. Die Abwehrstoffe bekämpfen die Borrelien bereits im Darm der Zecke, damit sie erst gar nicht in den menschlichen Körper gelangen. Es wird also tatsächlich die Zecke geimpft. (Max – Planck Gesellschaft)

Probleme des ersten Borreliose – Serums

Nach eineinhalb Millionen Impfungen in den USA hat man mehrere Probleme entdeckt: Der Impfstoff wirkt nicht zu 100 Prozent. Es müssen sehr viele Antikörper im Blut schwimmen, nur dann ist der Mensch sicher geschützt. Wie häufig die Impfung aufgefrischt werden muss, ist auch noch nicht geklärt. Außerdem kommen bei jeder fünften Zecke die Borrelien nicht nur im Darm, sondern auch in den verschiedenen Drüsen vor.

Borreliose in Europa komplizierter als in USA

In den USA gibt es nur ein einzigen Borrelienstamm. In Europa ist es komplizierter. Hier übertragen die Zecken mindestens drei Borrelien-Arten mit zahlreichen Subtypen von Oberflächenproteinen. Der Impfstoff musste daher für Europa abgewandelt werden.

Impfstoff – Entwicklung in Österreich

In Österreich wird nun an einem Borreliose-Impfstoff für Europa gearbeitet, und zwar im Baxter Forschungszentrum in Orth/Donau. Der österreichische Impfstoff beruht auf einem anderen Oberflächenprotein der Borrelien, dem Osp-C. Er soll an zweifach wirken. Nicht nur im Zeckendarm, sondern auch im Körper des Zeckenopfers die Krankheitserreger sollen Borrelien vernichten werden. Noch haben die Forscher mit leichten Nebenwirkungen zu kämpfen. Doch sie sind optimistisch, in wenigen Monaten mit Tests an 10.000 Freiwilligen beginnen zu können, meint Forschungsleiter Univ.Doz.Dr. Noel Barrett: “Erste klinische Tests haben gezeigt, dass der Impfstoff immunogen ist. Das heißt, wir sind imstande, Antikörper zu entwickeln, die die Erreger umbringen können.“ (Baxter – Forschungszentrum)

Schwierige Diagnose

Ein wichtiges Argument für die Impfung: Die Diagnose einer Borrelien-Infektion kann schwierig sein, denn der Zeckenstich bleibt oft unbemerkt. Nicht immer führt eine Ansteckung auch zum Ausbruch der Krankheit. Bei manchen Menschen halten die körpereigenen Abwehrkräfte den Krankheitserreger in Schach. Frühestens vierzehn Tage nach der Infektion sind im Blut Antikörper gegen die Borrelien nachweisbar.

Vielschichtiges Krankheitsbild

Nur bei etwa sechzig Prozent der Zeckenopfer bildet sich innerhalb eines Monats die charakteristische ringförmige Hautrötung. Später können chronische Hautschäden ebenso auftreten wie schwere Nervenleiden, Gesichtslähmungen oder Rückenschmerzen. Die tückischen Krankheitserreger können noch Jahre nach der Infektion schwere Gelenksentzündungen auslösen und Augen, Herz und andere Organe befallen.

“Die Borreliose ist vor allem im ersten Stadium mit Antibiotika sehr gut behandelbar,“ meint der Borrelienexperte Univ.Prof.Dr. Gerold Stanek vom Hygiene-Institut der Universität Wien. “Es kommt aber vor, dass die Krankheit übersehen wird. Dann kann die Infektion weiterlaufen und schwer wiegendere Krankheitsbilder erzeugen, die zwar auch behandelbar sind, aber nicht immer ist die Therapie erfolgreich. Und das wäre ein Argument für eine Impfung gegen die Lyme Borreliose, aber nur, wenn es nebenwirkungsfreie oder ganz nebenwirkungsarme Impfstoffe gäbe.“

In eignen Jahren auf dem Markt

Beide Impfstoffe für Europa müssen noch weiter getestet werden. Die Experten hoffen, dass dann in einigen Jahren ein sicherer, nebenwirkungsfreier Borreliose-Impfstoff auf den Markt kommt.

 

 

Quelle Text & Bild: http://sciencev1.orf.at/science/news/13262

 

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