Krank nach Zeckenstich: Wie gefährlich ist Borreliose wirklich?

Krank nach Zeckenstich: Wie gefährlich ist Borreliose wirklich?

Der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus): Die Zecke überträgt Bakterien, die unterschiedlichste Symptome auslösen können Zur Großansicht

Der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus): Die Zecke überträgt Bakterien, die unterschiedlichste Symptome auslösen können.

Hinterlässt eine Borrelien-Infektion eine lebenslange Immunität? Wie kann ein Arzt sicher die Diagnose stellen? Und wie lang sollte eine Antibiotika-Therapie dauern? Zwei Borreliose-Experten geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Nicht immer sind Zecken Schuld, wenn die Haut gerötet ist, das Knie anschwillt oder der Gesichtsnerv gelähmt ist. Trotzdem sollte jeder Betroffene nach einem Zeckenstich besonders aufmerksam sein. Die Borreliose-Experten Volker Fingerle vom Nationalen Referenzzentrum für Borrelien in Oberschleißheim und Hans-Walter Pfister von der Neurologischen Klinik am Klinikum Großhadern (LMU München) räumen mit den häufigsten Irrtümern auf.

Wenn man einmal Borreliose hatte, ist man immun dagegen.

Gegen Borrelien entwickelt sich laut Fingerle keine zuverlässige Immunität. Man kann sich mehrfach infizieren und auch mehrere Erkrankungsstadien gleichzeitig haben.Sind nach einer zwei- bis vierwöchigen Antibiotikatherapie die Symptome weiterhin vorhanden, muss länger mit Antibiotika behandelt werden.

„Nein, dann sollte die Diagnose in Frage gestellt werden und man sollte auch nach anderen Erklärungen suchen. Gegebenenfalls kann man eine erneute Therapie beginnen – nach Sicherung der Diagnose – und ein anderes Antibiotikum einsetzen“, so Fingerle.

Wenn jemand einen Zeckenstich hatte und in den Tagen danach grippeartige Symptome aufgetreten sind, muss unbedingt mit Antibiotika behandelt werden.

„Grippeartige Symptome wie Abgeschlagenheit und Fieber sind keine charakteristischen Beschwerden. Tritt auch eine Bronchitis auf, dann spricht das für einen grippalen Infekt“, sagt Fingerle. „Das einzige Symptom, das zweifelsfrei eine Borrelieninfektion anzeigt, ist die Wanderröte. Sie tritt aber nur in etwa 70 bis 90 Prozent der Fälle auf. Ist sie zu sehen, kann gleich mit Antibiotika behandelt werden. Ansonsten kann man gegebenenfalls eine Antikörperuntersuchung durchführen und den Verlauf verfolgen.“

Laut dem Neurologen Hans-Walter Pfister sehen die Leitlinien nach einem Zeckenstich weder eine routinemäßige Antibiotikavorbeugung noch eine routinemäßige Blutabnahme vor: „Wichtig ist, die Patienten gut zu beraten und ihnen zu sagen, auf welche möglichen Symptome sie in den folgenden Wochen achten müssen. Bei Auftreten entsprechender Symptome wie etwa der Wanderröte oder Nervenwurzelschmerzen müssen sie sich umgehend in ärztliche Behandlung begeben.“

Ein positiver Borrelien-Antikörper-Test sagt eindeutig, dass es sich um eine Borrelienerkrankung handelt.

„Streng genommen, sagt ein positiver Antikörper-Test nur, dass irgendwann in der Vergangenheit eine Borrelieninfektion abgelaufen sein muss. Es ist damit nur der erfolgte Kontakt mit Borrelien, aber nicht der Zeitpunkt feststellbar. Ein positiver Antikörpertest belegt noch keine Borrelien-Erkrankung“, sagt Pfister.

Die Neuroborreliose ist nur schwer von anderen Erkrankungen abgrenzbar.

„Das stimmt nicht“, sagt Pfister. „Wir untersuchen das Nervenwasser und können damit feststellen, ob eine Entzündung vorliegt. Die Bestimmung der Borrelien-Antikörper und der Vergleich der Antikörper in Blut und Nervenwasser erlaubt dann eine eindeutige Diagnose.“

Ist der Antikörper-Test nach der Behandlung mit Antibiotika positiv, ist eine erneute Antibiotikatherapie notwendig.

Fingerles eindeutige Antwort: „Nein. Durch das Antibiotikum werden die Borrelien abgetötet und die Bestandteile der Borrelien, die jetzt frei werden, stimulieren die Antikörper-produzierenden Zellen und sorgen dafür, dass der Antikörpertest positiv ausfällt. Die Werte können dann sogar noch ansteigen. Patienten, deren Immunantwort sehr stark ausfällt, haben oftmals noch Jahrzehnte später einen positiven Antikörpertest. Das kann allerdings auch zum Problem werden, weil bei akuten Symptomen unklar ist, ob der erhöhte Antikörperspiegel die Folge einer erneuten Borrelieninfektion ist.“

Wenn jemand Symptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, Muskel- und Gelenkschmerzen und einen positiven Borrelien-Antikörper-Test hat, ist dies durch eine chronische Borreliose bedingt.

„Man kann von diesen Symptomen keine chronische Borreliose ableiten. Es gibt drei gesicherte chronische Borrelien-Erkrankungen: die Lyme-Arthritis, die Neuroborreliose und die Acrodermatitis. Daneben wird seit mehreren Jahren von einigen wenigen Ärzten bei Patienten, die die oben genannten unspezifischen Symptome zeigen, die Diagnose „chronische Borreliose“ gestellt. Diese Vorgehensweise entbehrt allerdings einer wissenschaftlichen Grundlage. Die mitunter empfohlene monate- oder gar jahrelange Antibiotikaeinnahme kann aufgrund der Nebenwirkungen für den Patienten gefährlich werden“, warnt der Münchner Neurologe Pfister.

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Quelle: http://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/borreliose-therapie-und-heilungschancen-nach-zeckenstich-a-965519.html

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