Nur etwa ein Drittel der Stellenangebote wird in Jobportalen ausgeschrieben.

Firmenseiten sind wahre Fundgruben

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ONLINE-STELLENMARKT Ungefähr zwei von drei Stellenangeboten werden nie in einem Internet-Jobportal ausgeschrieben. Der Grund: Vor allem große Unternehmen rekrutieren auf ihren eigenen Websites.

Mit gut 6000 Mitarbeitenden ist die Genossenschaft Migros Luzern die größte Arbeitgeberin aus der Privatwirtschaft in der Zentralschweiz. Im vergangenen Jahr hatte der Groß Verteiler rund 200 neue Stellen zu besetzen. 132 oder knapp zwei Drittel davon schrieb er auf seiner Webpage aus. Für den weiteren Drittel war eine Ausschreibung gar nicht erst nötig, weil sich ein Weg gefunden hatte, die Stellen intern zu besetzen. «Der hohe Bekanntheitsgrad der Migros trägt sicherlich zu dieser komfortablen Situation bei. Nur bei schwierig zu findenden Fachkräften wird das Stelleninserat ebenfalls auf jobs.ch publiziert», sagt Genossenschaft-Migros-Luzern-Sprecherin Antonia Reinhard.

Mit der eigenen Webpage ist die Migros durchaus erfolgreich auf dem Stellenmarkt unterwegs: 60 bis 70 Prozent der Neuangestellten stießen über die Web­page der Genossenschaft zu ihr.

Lidl und Aldi inserieren fast keine Jobangebote

Auch andere gute Arbeitnehmeradressen wie der Pharmakonzern Novartis oder der Software-Entwickler Abakus brauchen längst nicht für jede offene Stelle Geld für Jobangebote in Online-Portalen lockerzumachen. Sie schalten gemäß dem Onlineportal Markenjobs.ch nur eben bei 6 (Novartis) oder 10 (Abakus) von 100 Stellen Inserate bei Jobportalen. Sogar noch seltener tun das einige Unternehmen mit einer naturgemäß hohen Personalfluktuation: Die Discounter Lidl und Aldi Suisse finden in 99 Prozent der Fälle neues Personal über ihre eigenen Kanäle, beim Cateringunternehmen SV-Group sind es 96 Prozent. «Zwei von drei Stellen werden nie öffentlich vermarktet», sagt Andreas Martinis, Marketing Manager von der Metaphase AG in Zürich.

Sie betreibt das Onlineportal Markenjobs.ch. Martinis spricht von einem «versteckten Stellenmarkt», der sich über die Firmen-Webpages weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit und zuständigen Behörden abspielt. Martinis: «Mit dem Inländervorrang light hat der Nationalrat beschlossen, dass Unternehmen verpflichtet werden können, offene Stellen den regionalen Arbeitsvermittlungszentren zu melden. Dabei wären diese Jobangebote bereits heute im Internet zu finden – wenn sich die Suche auch oft schwierig gestaltet.» Er sagt das natürlich nicht ohne Eigeninteresse. Denn genau dort setzt das Geschäftsmodell von Markenjobs.ch an. Damit sich Stellensuchende vor dem PC nicht von Firmen-Webpage zu Firmen-Webpage hangeln müssen, sehen die Nutzer bei diesem Jobportal immer das komplette Stellenangebot, welches die dort mitwirkenden Arbeitgeber auf ihren eigenen Webpages anbieten, in Form von Direktlinks. Die Bilanz von Markenjobs.ch lässt sich sehen: Seit dem Sommer 2015 verneunfachte sich die Zahl der monatlichen Besucher auf 270000. Sie finden bei diesem Online-Jobportal über 20000 Jobs von mehr als 1000 Arbeitgebern. Gründer der Metaphase AG sind die beiden Luzerner Pascal von Wartburg (36) und Andreas Fischer (35).

Unbestrittener Platzhirsch im Online-Stellengeschäft ist mit 1,5 Millionen Besuchern pro Monat Jobs.ch. Das Portal gehört den beiden Zürcher Verlagshäusern Tages-Anzeiger und Ringier. National von Bedeutung sind auch Jobs.nzz.ch, Monster.ch und az-jobs.ch. Eine immer größere Rolle spielen soziale Netzwerkpor­tale wie Xing und LinkedIn.

Migros Luzern nutzt verschiedene Kanäle

Für große Unternehmen mit zahlreichen neu zu besetzenden Stellen ist die externe Inserierung ein beträchtlicher Kostenfaktor. Bei den großen Online-Stellenausschreibern kostet ein Inserat meist mehr als 600 Franken im Monat. Günstiger ist nebst dem eigenen Internetauftritt die Mitarbeitersuche hingegen bei großen Branchenverbänden wie Gastro Suisse oder beim Schweizer Bäcker- und Confiserie verband SBC.

Die Migros-Genossenschaft Luzern nutzt trotz ihrer erfolgreichen Personalrekrutierung über die eigene Webpage verschie­dene Kanäle. Nebst den großen Stellen-Onlineportalen für schwierig zu findende Fachkräfte erhalten auch die gedruckten Zeitungen Aufträge aus ihrer Personalabteilung. «Damit die Migros Luzern auch in den Print­medien präsent ist, wird alle zwei Monate ein Sammelinserat mit aktuell ausgeschriebenen Stellen in der regionalen Tageszeitung abgedruckt. Dort verweisen wir auf unsere Website», sagt Sprecherin Antonia Reinhard.

Rainer Rickenbach

 

Quelle Bericht: http://www.luzernerzeitung.ch/nachrichten/wirtschaft/Firmenseiten-sind-Fundgruben;art9642,890646

Quelle Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 14. April 2014)

Datum Bericht: 18. November 2016

 

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